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In einem Interview der Rheinischen Post mit dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacob, spricht sich dieser dafür aus, „das Honorierungssystem der Ärzte vom Grundsatz her neu zu überdenken und zwar so, dass qualitätsgesicherte Leistungen auch entsprechend höher bezahlt werden“.

Damit spricht Jacobs ein Thema an, das in den letzten Jahren immer wieder – mehr oder weniger intensiv – durch unser Gesundheitswesen geistert, ohne sich wirklich durchzusetzen: die Verbindung von Preis bzw. Erstattung und Qualität einer Versorgungsleistung.

Sicherlich ist es nicht einfach, Qualität zu messen und eine Zustimmung von den Leistungserbringern und Krankenkassen zu Werkzeugen der Qualitätsmessung zu finden. Jahrelang wurde über die Maßstäbe diskutiert, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) führte diese Diskussion öffentlich. Neben dem BQS-Institut für Qualität & Patientensicherheit, deren Gesellschafter die KBV, die gesetzlichen Krankenkassen und die private Krankenversicherung sind, und dem Aqua-Institut, gibt es eine Reihe von Vereinen, Interessensvertretungen oder Einrichtungen, die Qualität in der Versorgung definiert haben. Auch wenn sich die verschiedenen Gruppierungen nicht immer über die jeweiligen Inhalte und Maßstäbe einig sind, gibt es genügend Definitionen und Werkzeuge, mit denen sich eine Qualität der Versorgung oder Behandlung messen lässt. Ein Beispiel sind die Leitlinien in der ärztlichen Versorgung –  veröffentlicht und betreut durch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF).

Dennoch fließen diese Maßstäbe und Werkzeuge viel zu selten in echte finanzielle Vorteile in der Erstattung. Diese Umsetzung ist zurzeit auch nur in gesonderten Verträgen mit den Krankenkassen, wie z.B. in der integrierten Versorgung, möglich.

Im Hilfsmittelmarkt verhindern die Produktvielfalt oder Produktvarianten und die nicht immer vorhandenen Studien zur Anwendung oder zu Langzeitergebnissen oft eine eindeutige Definition der Behandlungsqualität. Diese ist aber für Diskussionen mit den Krankenkassen über den Preis von Versorgungsqualität unabdingbar. Die Logik, die der zurzeit gültige Maßstab für eine Erstattung ist – der Produktpreis – führt meist zwangsläufig zu mit der Zeit sinkenden Preisen – bei gleichbleibendem oder noch steigendem Service- oder Logistikanteil in der Versorgung.

Hier sollten sich beide Seiten bewegen. Auf der einen Seite müssen Krankenkassen offen sein, mehr Geld für eine qualitativ hochwertige Hilfsmittelversorgung in die Hand zu nehmen, auf der anderen Seite müssen sich die Versorger über die Qualität von Versorgung einig sein.

[ilink url=“http://www.rp-online.de/wirtschaft/im-mittelpunkt-muss-der-patient-stehen-1.2863693″]Link zur Quelle (Rheinische Post)[/ilink]