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Nach Österreich werden in keinem anderen Land mehr Patienten so oft im Krankenhaus behandelt wie in Deutschland, so eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). So kommen in Deutschland auf 1000 Einwohner 240 Klinikaufenthalte. Nur in Österreich sind es mit 261 etwas mehr. Im Durchschnitt haben die in der OECD-Studie untersuchten Länder 155 Krankenhausaufenthalte pro 1.000 Einwohner.

Dabei führt die Bundesrepublik bei stationären Therapien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beim Einsetzen von künstlichen Hüften die Liste der untersuchten Staaten an. Angesichts dieser Zahlen äußerten sich bereits in den vergangen Monaten die Fachgesellschaften für Chirurgie und Orthopädie verstärkt kritisch und fordern öfter auf sanftere Therapiemethoden zu setzen anstatt auf teurere Operationen. Auch die Krankenkassen stehen der hohen Zahl an stationären Behandlungen kritisch gegenüber.

Kritiker des schnellen Operierens meinen, dass Chirurgen wirksame, aber langwierigere Physiotherapien nicht als Behandlungsmethoden in Betracht ziehen, da Klinken und auch niedergelassene Ärzte an solchen schonenden Verfahren nur wenig verdienen. Wohingegen eine Operation in Durchschnitt 12.000 Euro einbringt. Auch die abgeschlossenen Verträge mit Chefärzten, die einen Teil der Vergütung an den wirtschaftlichen Erfolg der eigenen Abteilung koppeln, sehen Kritiker als Grund für das hohe Niveau an Behandlungen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hingegen meint, dass die moderne Medizin mehr Menschen, besonders der wachsende Gruppe Älterer, helfen kann und die Krankenkassen das Rad aber anscheinend zurückdrehen wollen.

Die Experten der OECD raten daher, stärker als bisher, die Vergütung vom Behandlungserfolg und nicht von der Anzahl der Behandlungen abhängig zu machen. Solche Reformen sind aufgrund der Hoheitsstellung der Länder, im Bereich der Krankenhäuser,  jedoch ein langwieriger Prozess.

Kommentar:  Die Ausgaben für stationäre Behandlungen sind der größte Kostenblock im Gesundheitssystem. 2011 lagen die Gesamtkosten der Krankenhäuser bei 83,4 Milliarden Euro. Bei rund 18,3 Millionen Patienten, die vollstationär im Krankenhaus behandelt wurden, betrugen damit die Kosten pro Fall 3960 Euro im Jahr 2011. Dies entspricht einer Steigerung von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (3862 Euro). Dabei sind starke regionale Unterschiede, von bis zu 30 Prozent, bei den Kosten pro Fall festzustellen.

Diese Entwicklung deckt sich auch mit dem AOK-Krankenhausreport 2013. So ist nicht nur die absolute Anzahl der Behandlungen den Krankenversicherungen eine Dorn im Auge sondern auch deren Entwicklung. So stieg die Anzahl der stationären Behandlungen in 2011 um 310.000. Dabei lässt sich die Hälfte der Steigerung auf Leiden des Muskel-Skelett-Systems, des Kreislaufsystems und der Harnorgane zurückführen. Mit dem Anstieg der stationären Fälle geht jedoch auch ein Anstieg der außerklinischen Versorgungsfälle einher. Dies bedeutet, dass Akteure des Nachversorgungsmarktes von einen Marktwachstum bei Operationen profitieren könnten.

[ilink url=“http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/oecd-studie-zur-krankenhausbehandlung-operationen-auf-rekordniveau-1.1642216″] Link zur Quelle (Süddeutsche Zeitung)[/ilink]