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Seit Jahren werden durch getrennte Budgets und exakte Vorschriften die Grenzen der einzelnen Behandlungssektoren immer weiter abgesichert und verstärkt. Besonders chronisch Kranken wird dies täglich im Kontakt mit dem deutschen Gesundheitswesen deutlich. So werden Diabetiker beispielsweise vom Hausarzt angehalten, Rezepte vom Spezialisten ausstellen zu lassen.

Doch statt Sektoren einzeln zu optimieren und somit von Rest des Gesundheitssystems zu isolieren, sollte nach Aussage von Dr. Uwe K. Preusker, Publizist im Gesundheitswesen, vermehrt darauf geachtet werden integriert zu optimieren. „Denn eine Optimierung von einzelnen Sektoren führt eben nicht zur Optimierung des gesamten Systems, sondern hat an den Schnittstellen immer die große Gefahr, dass innerhalb eines Sektors auf Kosten anderer optimiert wird.“ –  so Preusker weiter. Zwar wurde durch die Einführung von Verträgen zur Integrierten Versorgung versucht eine solche Entwicklung zu ermöglichen, jedoch lief 2009 die Anschubfinanzierung für nicht wirtschaftliche Verträge aus und der Abschluss neuer Verträge geriet stark ins Stocken.

Eine Veränderung hin zu integrierten Konzepten bedarf langfristiger struktureller Veränderungen und nicht nur kurzfristiges Handeln. In Ländern, in denen ein solches Konzept schon etabliert ist, ist erkennbar, dass chronisch Kranke eine höhere Lebensqualität und ein höheres Gesamtüberleben aufweisen.

Preusker fordert daher: Schafft ein Gesundheitssystem, dass darauf abzielt Sektoren zusammenzuführen anstatt immer neue Zwischensektoren zu erschaffen oder Trennungen weiter zu vertiefen.

Kommentar: Der theoretische Ansatz der integrierten Versorgung (IV) ist einleuchtend: Innovative Versorgung verbessere durch sektorübergreifende Zusammenarbeit Behandlungsabläufe, Qualität und Compliance. Praktisch stehen dem grundlegende Probleme bei den Krankenkassen und Ärzten gegenüber: nachdem der Gesetzgeber die Anschubfinanzierung für IV-Verträge beendet hat, ist bei vielen Krankenkassen die integrierte Versorgung auf der Prioritätenliste nach unten gerutscht. Ein Return on Investment dieser Versorgungsform ergibt sich für die Krankenkassen erst mittel- bis langfristig, bzw. kann aufgrund der sektorübergreifenden Versorgung nicht zuverlässig von den Kassen erhoben werden. Daher bedarf es einem neuen politischen Anschub, um bei allen Akteuren im Gesundheitswesen das Interesse für integrierte Versorgung wieder zu wecken.

[ilink url=“http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&type=0&no_cache=1&Nachricht_ID=46917&Nachricht_Title=Nachrichten_Trittin+f%FCr+Apothekenketten“] Link zur Quelle (Ärzte Zeitung)[/ilink]