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Wer privat versichert ist, hat besseren Zugang zu Arzneiinnovationen. Dies geht aus einer nun veröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor. Das Instiut nutzte dazu Arzneimitteldatenbanken von 14 PKV-Unternehmen und glich diese mit dem aktuellen Arzneiverordnungsreport ab.

Das sich das Ausgaben- und Verordnungsverhalten zwischen GKV und PKV deutlich unterscheidet ist kein Geheimnis mehr. Die Versicherten der privaten Krankenversicherer profitieren dabei von den höheren Freiheitsgraden, denen Ärzten gegeben werden. So werden beispielsweise auch rezeptfreie Arzneien erstattet.

Ein Indiz für die in der Überschrift vorgelegte Behauptung ist, dass beispielsweise der Lipidsenker Sortis seinen deutschen Umsatz fast ausschließlich im Privatmarkt erwirtschaftet (90,9%). Das Produkt des Herstellers Pfizer wurde nach Prüfung der Wirksamkeit einem Festbetrag zugeordnet und somit für GKV Versicherte nur gegen eine erhebliche Aufzahlung verfügbar. Die PKV zahlt im Falle von Sortis oftmals jedoch den vollen Preis.

Aber auch bei Arzneimittel die einen Erstattungsbetrag erhalten haben, werden bei PKV-Patienten schneller verordnet als bei GKV-Versicherten, obwohl die AMNOG Regeln für beide Versicherungstypen die gleichen sind. So haben die Mittel Yellox und Zytiga einen Privatzahleranteil der deutlich über 20 Prozent liegt, obwohl die PKV-Versicherten nur knapp 11 Prozent der Versichertenkohorte stellen. Dies bedeutet, dass bei Kassenpatienten neuartige und erstattungsfähige Produkte restriktiver verordnet werden als bei Versicherten die über eine PKV abgesichert sind.

Kommentar: Einige Experten meinen, dass die unterschiedliche Verodnungspraxis von Ärzten zwischen Privat- und GKV-Versichertren keine Willkür sei, sondern eine Antwort auf die bestehenden Regressdrohungen der Prüfgremien der Selbstverwaltung ist. Da die PKV keine Sanktionsmöglichkeiten gegen Ärzte hat, sind Ärzte eher bereit neuartige und teurere Medikamente zu verordnen. Wohingegen Ärzte die Sanktionen der Prüfgremien bei Unwirtschaftlichkeit fürchten und so die Klassenunterschiede weiter zementiert würden.

Was jedoch im Artikel nicht deutlich wird, ist, dass Privatversicherte für diese vermeintlichen Innovationen auch deutlich höhere Beiträge (zumindest im Alter) zahlen müssen. Zugleich zeigt dies auch, das in der PKV noch bedeutende Reserven zur Effizienzsteigerung bestehen. Beispielsweise in der Nutzung von Generikaprodukten.

[ilink url=“http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/857643/arzneimittel-vorsprung-pkv-patienten.html“] Link zur Quelle (Ärztezeitung)[/ilink]