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Fresenius will offenbar ein zweites Angebot zur Übernahme von Rhön-Klinikum vorlegen. Insider berichten, dass die Konzernvorstände Ulf Schneider (Fresenius) und Eugen Münch (Rhön-Klinikum) erneut verhandeln. Bei einem zweiten Übernahmeversuch werde sich Fresenius vermutlich zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufrieden geben. Dass die herabgesetzte Annahmeschwelle erreicht werden wird, gilt als sehr wahrscheinlich.

Allerdings sind im Vorfeld noch einige offene Fragen zu klären. Denn zunächst muss der Fresenius-Aufsichtsrat grünes Licht für einen zweiten Anlauf geben. Auch der Rhön-Vorstand und die Finanzaufsicht BaFin müssen erst noch zustimmen.

Kommentar: Nimmt man an, dass die Übernahmebemühungen von Fresenius erfolgreich sind, lassen sich drei Szenarien skizzieren: Erstens eine Übernahme bei einer einfachen Mehrheit, zweitens eine Übernahme mit anschließender Erreichung der kritischen 90 Prozent-Grenze und drittens eine Übernahme, die aufgrund der heterogenen Anteilsgruppen beim Rhön-Klinikim zur Zerschlagung führen würde.

1. Bliebe es bei der einfachen Mehrheit, wäre die Strategie, ganzheitliche Lösungen in der Gesundheitversorgung anzubieten, realisierbar: Der neue Konzern Helios-Rhön könnte dank seines flächendeckenden Kliniknetzes in Deutschland eine private Zusatzversicherung für Leistungen anbieten, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Dafür könnten Patienten in allen Kliniken des Helios-Rhön-Verbundes unter anderem Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden, bevorzugte Behandlung in den eigenen Spezialkliniken und vielen weitere Serviceleistungen im Konzern in Anspruch nehmen. Der Konzern könnte die Patienten an die eigenen Häuser binden und im Wettbewerb mit anderen Konkurrenten wie etwa Asklepois oder Sana dadurch einen Vorteil erzielen.

2. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Übernahmebemühungen ist, ob Fresenius nach Erreichen einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie auch die kritische Grenze von 90 Prozent knacken kann. Nur dann könnte der Konzern wichtige Hauptversammlungsbeschlüsse bestimmen. Denn ohne diese Mehrheit könnte Fresenius nicht auf den Cash-Flow des Rhön-Klinikums zugreifen, das Rhön-Klinikum von der Börse nehmen oder die Konzernzentralen zusammenlegen. In diesem Fall dürften die anvisierten Synergien von 100 Mio. Euro nicht zu erzielen sein.

3. Zunächst einmal lässt eine zweite Offerte für Rhön auch den Druck auf Asklepios steigen. Der Hamburger Konkurrent war Ende Juni bei Rhön eingestiegen und hatte das Entstehen eines größeren Wettbewerbers fürs Erste verhindert. Eine Zerschlagung von Rhön-Klinikum und eine Aufteilung unter Fresenius, Asklepios und eventuell auch dem dritten Mitbewerber Sana, der ebenso wie B. Braun noch weitere Anteile hält, dürfte am Widerstand von Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch scheitern. Denn dieser besitzt mit 12,45 Prozent der Anteile an Rhön selbst eine Sperrminorität.

[ilink url=“http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/branchenkreise-fresenius-nimmt-zweiten-anlauf-zur-rhoen-klinikum-uebernahme-seite-all/6981106-all.html“] Link zur Quelle (Handelsblatt.com)[/ilink]