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Der fränkische Klinikbetreiber Rhön-Klinikum sucht nach der gescheiterten Übernahme durch Fresenius nach neuen Investoren. Dabei sei aber nicht zwingend eine Großfusion mit einem Rivalen für die erfolgreiche Weiterführung des Klinikriesen notwendig. „Unterschiedliche Gestaltungsvarianten seien hier denkbar“, so Finanzvorstand Jens-Peter Neumann.

Mit bis zu 100 Investoren soll auf einer Roadshow gesprochen werden. Unter den möglichen Investoren sind dabei auch Asklepios, B. Braun, Fresenius und die Sana-Kliniken. Bis Ende Februar sollen die Gespräche dauern, so Rhön-Chef Martin Siebert.

Hintergrund: Der Übernahmeversuch im letzten Sommer scheiterte, weil die Fresenius-Konkurrenten Sana, Asklepios und B.Braun so viele Aktien kauften, dass eine Übernahme der angekündigten 90 Prozent plus eine Aktie misslang. Ein zweiter Übernahmeversuch verlief im Sande. Doch wer könnte nun der künftige Partner sein?

Ausgangssituation: Fest steht, dass Rhön weiterhin an seinem Projekt festhält, ein flachendeckendes Kliniknetz zu schaffen. Langfristig streben die Franken weiter die Schaffung eines deutschlandweiten Kliniknetzes an, auf dessen Basis der Konzern eine eigene private Zusatzversicherung für gesetzlich Versicherte anbieten kann. Diese würde von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Dafür könnten Patienten in allen Kliniken des Rhön-Verbundes unter anderem Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden, bevorzugte Behandlung in den eigenen Spezialkliniken und vielen weitere Serviceleistungen im Konzern in Anspruch nehmen. Der Konzern könnte die Patienten an die eigenen Häuser binden und im Wettbewerb mit anderen Konkurrenten einen Vorteil erzielen.

Die Klinkbetreiber Asklepios und Fresenius (Helios) streben nach Wachstum und wollen eine noch dominantere Rolle auf dem Klinikmarkt einnehmen. Eine erfolgreiche Übernahme von Rhön wäre für den jeweiligen Konkurrenten mit einem deutlichen Verlust von Verhandlungsmacht verbunden.

Die Sana-Kliniken wollten mit ihrem Anteil zunächst die Schaffung eines flächendeckenden Kliniknetzes mit Zusatzversicherung verhindern. Denn der viertgrößte private Klinikbetreiber gehört mehr als 30 privaten Krankenversicherern (u .a. Allianz, DKV Signal und Continentale), die kein Interesse an einer eigener privaten Zusatzversicherung von Rhön haben dürften. Zetzt war zu vernehmen, dass die Sana-Anteilseigner versuchen, Rhön-Aktien außerhalb der Börse aufzukaufen. Ziel sei es, einen Übernahmeversuch zu starten, wenn die Anteilseigner zusammen 20 Prozent des Rhön-Kapitals kontrollierten.

Auch B. Braun war im letzten Sommer auf den Plan getreten: Das Familienunternehmen aus Melsungen ist sei schon seit längerer Zeit beim Rhön-Klinikum engagiert und verfügt zudem über Optionen auf weitere Aktien. B. Braun betreibt zwar keine Kliniken, beliefert Krankenhäuser aber u.a. mit Medizintechnik, chirurgischen Instrumenten und Infusionen.

Die Gespräche rund um den neuen Rhön Partner werden aufgrund dieser Konstellation erneut Anlass für viele Spekulation geben.