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Was sich über mehr als ein Jahr hingezogen hat, wurde in der Nacht zum Freitag dann verkündet: Der Fresenius-Konzern hat für 3,07 Mrd. Euro 43 Kliniken (ca. 11.800 Betten) und 15 medizinische Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG übernommen. Mit insgesamt 117 Krankenhäusern und einem Umsatz von nahezu 5,5 Mrd. Euro wird die Fresenius-Tochter Helios damit nach eigenen Angaben zum größten privaten Klinikbetreiber Europas.

Mit der Teil-Übernahme, die noch unter Vorbehalt des Kartellamts steht, hat Fresenius auch einen Erfolg über den Konkurrenten Asklepios und den Medizintechnik-Konzern B. Braun errungenen. Letztere wollte seinen Rhön-Anteil zuletzt sogar auf 25 Prozent erhöhen (wir berichteten). Mit einem Anteil von 25 Prozent hätte B. Braun eine Übernahme verhindern können, da nach neuester Rhön-Satzung die Sperrminorität die üblichen 25 Prozent beträgt. Allerdings war eine Zustimmung der Rhön-Anteilseigner in diesem Fall nicht notwendig. Neben dem Kartellamt müssen einige Partner von Rhön-Klinikum den Verkäufen einzelner Standorte zustimmen.

Allerdings verbleiben die vermeintlichen „Filet-Stücke“ beim fränkischen Klinikbetreiber: Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, sowie die Kliniken Bad Neustadt mit der Rhön-Klinikum-Hauptverwaltung, Bad Berka und Frankfurt/Oder zählen weiterhin zur Rhön-Klinikum AG. Das Unternehmen will sich in Zukunft vor allem auf Krankenhäuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung angeboten wird.

Kommentar: Bislang wurde der private Krankenhausmarkt von den BIG-Four geprägt: Dazu zählen neben Fresenius und Rhön unter anderem auch Asklepios und Sana Kliniken. Die Nummer eins und zwei – die Klinkbetreiber Asklepios und Fresenius (Helios) – streben seit längerem nach Wachstum und wollen eine noch dominantere Rolle auf dem Klinikmarkt einnehmen. Für Asklepios ist die nun erfolgreiche Übernahme von Rhön mit einem deutlichen Verlust von Verhandlungsmacht verbunden. Die Nummer vier, Sana-Kliniken, sieht sich für künftiges Wachstum indes gut aufgestellt und verfügt über ausreichend Finanzkraft, um unter den übrigen – meist wirtschaftlich angeschlagenen – Krankenhausträgern Übernahmekandidaten ausfindig zu machen.

Spannend dürfte zu verfolgen sein, wie sich die Integration der Rhön-Kliniken in den Fresenius-Konzern auf das Überleitungsmanagement im Wettbewerbsumfeld von Fresenius Kabi auswirken wird. Die auf Infusionen spezialisierte Tochter dürfte deutlich von der Übernahme profitieren und weiteren Zugang zu Klinikpatieten für eine spätere Nachversorgung erhalten, auch wenn Helios betonte, einen Schwerpunkt auf die Wahrung der Lieferantenvielfalt zulegen.

[ilink url=“http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/klinikkonzern-fresenius-schluckt-grossteil-von-rhoen-a-921999.html“] Link zur Quelle (Spiegel-Online)[/ilink]