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Der Schweizer Arbeitsmarkt lockt angesichts des dortigen Ärztemangels zusehends Mediziner aus dem Ausland in die Alpenrepublik. Der Grund für viele Immigranten: Die Schweiz bietet aufgrund eines geringen Bürokratieaufwandes und lukrativer Verdienstmöglichkeiten gute Bedingungen für ausländische Ärzte. Zudem gäbe es steuerliche Vorteile und ein Vergütungssystem, das jede einzelne medizinische Leistung entlohne.

Die Attraktivität der Schweiz spiegelt auch die Statistik wider: Weil die Anzahl der jährlich ausgebildeten Mediziner in der Schweiz nicht ausreicht, kommen etwa 1000 Ärzte jedes Jahr aus dem Ausland in die Schweiz – die meisten aus Deutschland. Im ganzen Land arbeiten mehr als 16.000 Mediziner im ambulanten Bereich, darunter sind 3552 Allgemeinärzte.  Jedoch sind dies nicht genug, um die medizinische Versorgung an den Kliniken und in ländlichen Regionen ambulant sicherzustellen.

Hintergrund der Ärzteeinwanderung ist eine Gesetzesänderung Ende des letzten Jahres: Nachdem die Schweiz seinen Arbeitsmarkt für ausländische Fachärzte geöffnet hat, haben sich in der Folge in den ersten fünf Monate danach knapp 900 Mediziner eine neue Abrechnungsnummer beantragt – dreimal so viele wie im Jahr davor.

Nun warnen aber Krankenversicherer wie Santesuisse vor einer Kostenexplosion im ambulanten Bereich. Auch der Berufsverband der Schweizer Ärzte (FMH) fordert ein neues Regulierungsinstrument: „Es wäre gut, wenn die Kantone die Zulassung nach Bedarf steuern könnten“, sagte dazu FMH-Präsident Jacques de Haller.

Kommentar: Während die Krankenversicherer vor steigenden Kosten warnen, sollte dem entgegen gebracht werden, dass die eingewanderten Ärzte auch einen Gewinn für die Schweiz bedeuten können.

Denn: Jeder fünfte Arzt in der Schweiz kommt aus dem Ausland – der Anteil aus Deutschland liegt über 50 Prozent. Mit Blick auf die Altersstruktur der Ärzte wird deutlich, dass diese zum Großteil zwischen 25 und 34 Jahre alt sind, was bedeutet, dass der teure Teil der Ausbildung bereits im Ausland absolviert wurde. Demnach verursacht die Auswanderung eines studierten Mediziners aus Deutschland nicht nur den Verlust von Fachwissen, sondern auch einen finanziellen Aufwand für den deutschen Staat.

Demgegenüber profitiert die Schweiz und müsste andernfalls die immigrierten Mediziner selbst ausbilden. Hieran spart die Schweiz jedoch: Etwa 800 Schweizer schließen im Schnitt jedes Jahr ein Medizinstudium ab, zu wenig, um den Bedarf zu decken.

[ilink url=“http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitspolitik_international/article/818884/schweiz-sucht-aerzte.html“] Link zur Quelle (Ärzte Zeitung)[/ilink]