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Die Techniker Krankenkasse (TK) hält die privaten Krankenversicherer zur Finanzierung des Gesundheitssystems für unnötig. Sie empfiehlt die Schaffung eines Einheitssystems. Die Abschaffung der privaten Krankenversicherung würde für die niedergelassenen Ärzte ein Honorarverlust in Milliardenhöhe bedeuten. Wie dieser kompensiert würde – und ob – ist eine politische Entscheidung.

Für eine PKV-Auflösung hat der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen im Auftrag der TK diese Szenarien analysiert: Im ersten Modell werden alle PKV-Versicherten sofort in das neue Versicherungssystem einbezogen. Im zweiten Modell bleiben die bisherigen Versicherten in der PKV, es werden aber keine Neuzugänge mehr aufgenommen. Im dritten Modell erhalten die PKV-Versicherten ein befristetes Wechselrecht.

Im ersten Modell würde der Honorarausfall schon im Jahr 2013 etwa 4,6 Milliarden Euro betragen, im Jahr 2030 dann fast sechs Milliarden Euro. Um dies vollständig zu kompensieren, wäre ein Zuschlagsfaktor auf die ärztlichen Vergütungen erforderlich. Der müsste im laufenden Jahr bei 13,7 Prozent beginnen und dann bis zum Jahr 2030 kontinuierlich auf mehr als 17 Prozent ansteigen.

In einem zweiten Szenario, berechnet Wasem geringere Auswirkungen auf das Arzthonorar. Von null Euro im Jahr 2013 stiege der Honorarausfall für die Ärzte auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2030. Der Zuschlagsfaktor stiege bei diesem Modell nur langsam auf bis zu 4,7 Prozent an.

Im dritten Modell würde der Honorarausfall im ersten Jahr 1,6 Milliarden Euro betragen und im Jahr 2030 3,1 Milliarden Euro. Der Zuschlagsfaktor für eine Kompensation würde von fünf auf 9,5 Prozent ansteigen müssen. (Unter der Annahme, dass 20 Prozent der unter 50-Jährigen und die Hälfte der über 50-Jährigen von ihrem Wechselrecht in das einheitliche Versicherungssystem Gebrauch machen würden und Neuzugänge nicht mehr möglich wären.)

Kommentar: Das Vergütungssystem der PKV unterscheidet sich von der GKV wie folgt: Anders als bei den gesetzlich Krankenversicherten geht ein Privatpatient ein direktes Vertragsverhältnis mit seinem Arzt ein. Aus diesem Vertrag ensteht dem Arzt ein Anspruch auf Vergütung der Leistungen gegenüber dem Patienten. Der Arzt stellt die ärztlichen Leistungen dann dem Privatpatienten in Rechnung, der wiederum den Arzt bezahlt. Anschließend kann er sich diese Ausgaben von der eigenen privaten Krankenversicherung – im vertraglich vereinbarten Umfang – zurückerstatten lassen. Die Abrechnungsgrundlage hierbei ist die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Für die Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung gelten die Regelungen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) und des Bewertungsmaßstabs zahnärztlicher Leistungen (BEMA).

Dieses zweistufige Vergütungssystem will die TK nun vor dem Hintergrund der Abschaffung der PKV vereinheitlichen. Kritikpunkte an der privaten Gebührenordnung sind oftmals die Fokussierung auf kleinteilige einzelne Leistungen und die fehlende Steuerungsmöglichkeit angesichts der Alterung und zunehmenden Multimorbidität der Bevölkerung.

Derzeit sind in Deutschland rund neun Millionen Menschen in der PKV versichert, rund 70 Millionen Menschen in der GKV.

[ilink url=“http://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2013/04/26/techniker-krankenkasse-empfiehlt-abschaffung-der-pkv/“] Link zur Quelle (Deutsche Gesundheitsnachrichten)[/ilink]