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Als erste große Kasse will die Techniker Krankenkasse (TK) im kommenden Jahr an ihre rund sechs Millionen Mitglieder Prämien ausschütten. Der Vorstand habe dem Verwaltungsrat vorgeschlagen, die Versicherten auf diese Weise an einem Teil der Rücklagen der TK, die mit drei Mrd. Euro die gesetzliche Maximalgrenze erreicht haben, zu beteiligen.

Die Jahresprämie, über dessen genaue Höhe auf einer Verwaltungsratsitzung am 12. Oktober entschieden werden soll, dürfte bei mindestens 100 Euro liegen. Die Prämie will die Kasse direkt als Werbemittel zur Rekrutierung neuer Mitglieder nutzen: Wer bis zum 1. Januar zur TK wechsle und ein Jahr bleibe, bekomme die volle Prämie. „Wenn wir so viel Geld ausgeben, soll das einen Effekt am Markt haben.“

Der Vorstadsvorsitzende Jens Baas machte zudem deutlich, dass die Prämienausschüttung nicht erste Wahl gewesen sei. Lieber hätte man den TK-Kunden die Praxisgebühr erlassen. Das sei aber zu verwaltungsaufwändig, der Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Auch die zweite Option, mehr freiwillige medizinische Leitungen wie das sehr gut aufgenommen neue Osteoporose-Angebot zu finanzieren, habe man verworfen.

Kommentar: Lediglich einige kleinere Kassen mit rund 700.000 Versicherten schütten derzeit Prämien aus, die in der Regel zwischen 60 und 80 Euro liegen. Bei einigen Betriebskassen beträgt der Bonus sogar bis zu 120 Euro. Diese Prämienauszahlungen umfassen lediglich einen verschwindend geringen Anteil aller Krankenkassenmitglieder.

Mit der Entscheidung der ersten mitgliederstarken Krankenkasse Pro-Prämienausschüttung dürfte es interessant zu beobachten sein, wie wechselwillig die Mitglieder im Krankenversichungsmarkt sind. Ob sich ein einmaliger finanzieller Anreiz ähnlich stark auf die Wechselbereitschaft auswirkt, wie es bspw. im Finanzsektor im Rahmen einer Bonusgewährung im Zuge einer Kontoeröffnung der Fall ist, darf bezweifelt werden. Denn erst jüngst haben sich die Versicherten bei einer Umfrage des Instituts Kantar Health im Auftrag des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen mehrheitlich für eine Leistungsverbesserung anstelle einer Einmalauszahlung ausgesprochen.