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Der Pflegeberuf soll wieder attraktiver werden. Doch dafür muss früh angesetzt werden, am besten schon in der Ausbildung. Denn viele Auszubildende in Kranken- und Altenpflege sind überfordert. Das zeigen die Ergebnisse des „Ausbildungsreports Pflegeberufe 2015“ der Gewerkschaft Verdi. Zeit zu handeln eigentlich, doch das ist schwieriger als wünschenswert ist.

Pflege ist ein Knochenjob – auch schon in der Ausbildung. Jeder achte Minderjährige gibt an, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das ist laut Jugendarbeitsschutzgesetz verboten. Insgesamt leistet rund ein Drittel aller befragten Auszubildenden in der Krankenpflege regelmäßig Überstunden. 17 Prozent erhalten zum Ausgleich weder Geld noch Freizeit. Angesichts dessen wundert es kaum, dass die Auszubildenden frustriert sind. Doch es geht noch weiter. Zwei Drittel der Befragten in Krankenhäusern und rund 42 Prozent in der Altenpflege leiden unter kurzfristigen und ungeplanten Versetzungen zur Kompensation von Personalmangel. Auch das Arbeiten unter Zeitruck sowie fehlende Pausen werden von den Befragten als besonders belastend beschrieben.

Auch die Ausbildung an sich empfinden zahlreiche Azubis als ungenügend. So beklagen sie, in der Praxis von ihren Ausbildern nicht ausreichend angeleitet zu werden. Dabei sollen sie nach der Ausbildung selbständig arbeiten. Rund 60 Prozent geben an, dass ihre Ausbilder nicht genügend Zeit haben, sie zu schulen. Mehr als vier Fünftel sind der Meinung, dass mehr Ausbilder nötig sind.

All das ist besonders schade, da viele Auszubildende mit hohem Engagement und Erwartungen in die Pflegeausbildung starten. Diese Erwartungen werden schnell enttäuscht. Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand, stellt fest: „In der Ausbildung erfolgt die harte Landung. Schon die Auszubildenden leiden unter der allgemeinen Personalnot. Bei hohem Zeitdruck und extremer Arbeitsverdichtung bleibt eine gute Ausbildung auf der Strecke. Wer will, dass die jungen Menschen mit Freude in ihrem Beruf bleiben, muss unverzüglich handeln. Um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken, müssen die berechtigten Ansprüche der Auszubildenden erfüllt werden. Für gute Ausbildungsbedingungen und um die Pflegeberufe wieder attraktiv zu machen, muss der Gesetzgeber die erforderliche Mindestpersonalausstattung verbindlich regeln.“ Bühler betont, dass im Zuge der anstehenden Reform der Pflegeausbildung vor allem die Qualität der praktischen Ausbildung in den Blick genommen werden müsse.

Kommentar: Die meisten der geschilderten Probleme sind klar auf den Personalmangel zurückzuführen und damit ebenso schwierig zu beheben. Ob die geplante Reform der Pflegeausbildung hier Abhilfe schaffen kann, ist mindestens zweifelhaft. Durch die Zusammenlegung der Alten-, Gesundheits- und Kranken- sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung müssen die Auszubildenden noch mehr Fachwissen in der gleichen Zeit erlernen. Das klingt nicht nur kontraproduktiv, sondern wird sich vermutlich auch so auswirken. Zwar mag es für einige angehende Auszubildende attraktiv erscheinen, zwischen drei verschiedenen Berufsbildern wechseln zu können, im Grunde genommen ist diese Reform aber Leistungsträger -und arbeitgeberfreundlich, da so Personallöcher gestopft werden sollen.

 

[ilink url=“https://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++7d01f628-e9e1-11e5-b1f5-52540059119e“] Link zur Quelle (Verdi)[/ilink]