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Das Wahlprogramm der Union hat für Aufregung bei den Apothekern gesorgt. Besonders der Vorschlag sog. rollender Apotheken, die die CDU/CSU erlauben wollen, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. „Für mobile Dienstleistungsangebote (zum Beispiel rollende Verkaufsläden, Apotheken und Banken) wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern“, heißt es in dem 128-seitigen Papier, das die Vorstände der Union beschlossen haben.

Fritz Becker, Chef des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), sieht die rollenden Apotheken im Wahlprogramm der Union nicht als Ärgernis, sondern vielmehr als Gesprächsangebot. Seiner Meinung nach seien die rollenden Apotheken allerdings nicht der richtige Ansatz, um eine Arzneimittelversorgung in abgelegenen Dörfern zu erhalten oder zu verbessern.

Dies könne Becker zufolge der Apothekers besser leisten, etwa über eine Ausweitung des Botendienstes. Hierdurch sei einerseits einer höherwertige Beratung – durch pharmazeutischem Fachpersonal, welches den Botendienst durchführt – gewährleistet und andererseits mehr Nähe zum häufig immobilen Kunden, da die Botendienste bis zur Haustür (anders als der auf dem Marktplatz stehende Apothekenbus – kommen. Für eine Ausweitung der Botendienste forderte er zudem eine bessere Vergütung.

Becker sieht die Arzneimittelversorgung auf dem Land nicht in Gefahr. „Es wird nicht vorkommen, dass Patienten größere Strecken fahren müssen, um in die nächste Apotheke zu kommen.“

Kommentar: Fast jede Apotheke in Deutschland bietet Boten- bzw. Lieferdienste an. Nach Angaben der ABDA gibt es jeden Tag 250.000 Botendienste. Als Hauptgrund für das Anbieten von kostenlosen Lieferdiensten nennen die Apotheker die Möglichkeit der Neukundengewinnung und die Bindung von Bestandskunden. Aber: Nur die wenigsten nehmen dafür ein Entgelt. Verständlich ist daher, dass der Apothekenverband an dieser Stelle auf eine Erhöhung der Vergütung von Botendienste pocht.

Bei der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) im Juni 2012 hatte der Gesetzgeber die Regelungen zum Liefer- und Botendienst bereits überarbeitet. Von der ursprünglich geplanten Liberalisierung, die Lieferungen auch über den Einzelfall hinaus gestattet, sah der Gesetzgeber ab.

Hier bleibt abzuwarten, inwiefern sich nun der Vorschlag der Union, rollende Apotheken zur Versorgung auf dem Land zu nutzen, überhaupt von den bisherigen Möglichkeiten unterscheidet. Eine mobile Zustellung von Medikamenten ist ja bereits durch die Botendienste sichergestellt und könnte nun auch über den Einzelfall hinaus zur Geltung gelangen. 

[ilink url=“http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/union-apothekenbusse-rollende-apotheken-cdu-csu-fritz-becker-dav-interview/“] Link zur Quelle (Apotheke Adhoc)[/ilink]