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Eine Studie des privaten Beratungsunternehmens IMS Health zeigt, dass das System der gesetzlichen Krankenversicherung, anders als vielfach vermutet, nicht die privaten Versicherten bevorzugt. Nach der Analyse von Verordnungsdaten von in den Jahren 2010 bis 2012 neu eingeführten Arzneimitteln kommen die Autoren zu dem Schluss, dass „Innovationen in der GKV angekommen“ sind. Dabei wurden etwas mehr als 30 neu eingeführte Substanzen bei der Analyse berücksichtigt.

Die Studie zeigt, dass das Verhältnis der Verordnungen von Rx-Arzneimitteln im Gesamtmarkt sich auf 86 Prozent GKV-Verordnungsanteil und zu 14 auf PKV-Versicherte verteilen. Werden jedoch nur die Verordnungsanteile von neuen Arzneimitteln unter Patentschutz berücksichtigt zeigt sich, dass das Verhältnis zu Gunsten der GKV weiter zunimmt (87,3% zu 12,7%). Bei den zwischen 2010 und 2012 eingeführten Arzneimittel steigt dieses Verhältnis weiter auf 88,6 Prozent für die GKV-Versicherten zu 11,4 Prozent auf PKV Seite. „Das skizzierte Ergebnis überrascht, stünde doch eher zu erwarten, dass patentgeschützte Präparate, je neuer sie sind, umso stärker Privatpatienten verordnet werden“ – meint IMS Health.

Bei einer weiteren Betrachtung des Verordnungsverhaltens fällt jedoch auf, dass der Anteil der PKV-Verordnungen besonders bei Arzneimitteln, die die Lebensqualität verbessern, überproportional ausfällt. Bei schwerwiegenderen Erkrankungen lässt sich jedoch kein erhöhter PKV-Anteil feststellen. Daher vermuten die Autoren, dass „der Aspekt der Lebensqualität bei Verordnungen auf Privatrezepten eine stärkere Berücksichtigung findet“.

Kommentar: Nach der Einführung der Unisex-Tarife in der PKV hat sich zwar das Leistungsniveau der privaten Krankenversicherungen deutlich verbessert, es reicht oftmals aber immer noch nicht an das der gesetzlichen Krankenversicherungen heran. Dies könnte als ein Zeichen der – anders als erwartet – verbesserten Versorgung der gesetzlichen Versicherten gesehen werden. Andererseits kann womöglich der GKV vorgeworfen werden, zu oft zu neue und dementsprechend zu teure Arzneimittel zu finanzieren, die keinen verbesserten Nutzen für die Patienten darstellen. Auf diese Diskrepanz zwischen Innovationsgrad und Preis von neuen Arzneimittel ging bereits eine Studie der Techniker Krankenkasse vor kurzem ein.

[ilink url=“http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2013/06/05/neue-arzneimittel-kein-nachteil-fuer-gkv-versicherte/10237.html“] Link zur Quelle (Deutsche Apotheker Zeitung)[/ilink]